Zur Künstlerin

Mich fasziniert die Sinnlichkeit und Farbigkeit von grauen Bleistiftflächen. Mein Thema ist die ständige Befragung des Materials Papier und Bleistift, wie durch die Ausdehnung von Grau eine sinnliche, lebendige Form oder Fläche entsteht.

Ich bin begeistert von der Einfachheit der zeichnerischen Mittel, der Direktheit und den Möglichkeiten der Ausführung und von der Farbe Grau des Bleistifts. Die Beschäftigung mit der Form/ Fläche führt zu präzisen, mit und ohne Lineal ausgeführten Linien-Flächen, zu bewegt-schraffierten Flächen oder zu grafisch strukturierten Flächen.

In großformatigen Arbeiten entwickle ich die Formen mit Hilfe von Schablonen. Ich variiere Umrisslinien und verteile sie auf dem gewählten Format. Zudem bestimme ich die Grauabstufungen für einzelne Teilflächen bis eine stimmige Komposition entsteht, die Fragen aufwirft, z.B. nach der Perspektive oder dem Motiv. Was sehe und spüre ich, wenn ich es nicht verstehe.

Im Konvolut meiner Kleinen Formate entwickle ich phantasievolle Formen, die aus der Intuition heraus entstehen und die keinem Abbild entsprechen. Es sind ebenfalls Experimente aus Umrisslinie und Flächenfüllung. Die Vielfalt der Möglichkeiten ist unermesslich. Gerade die Zusammenfügung der verschiedenen Spielarten zeigt ein innovatives, zartes als auch kontrastreiches Repertoire.

Mein Arbeitsprozess beginnt mit konzeptuellen Überlegungen. Die Entscheidungen drehen sich um die Wahl des Formates, um die Fokussierung auf Form oder Fläche, die Anordnung und Dichte der Linie, um die Richtung der Bewegung, die Schwärze oder Härte des Bleistifts, um die Breite oder Filigranität der Linie oder um die Größe des Papiers.

Ich thematisiere durch die Art der Ausführung sowohl den Arbeitsprozess als auch die entstandene Fläche in ihrer Transparenz oder Verdichtung, ihrer Leichtigkeit oder Schwere, Geschlossenheit oder Offenheit, Präzision und Bewegtheit.

Secrets of Masses in Space

Von Andreas Amrhein 
im September 2020

Wer sich der Kunst von Christine Geiszler nähert, taucht ein in einen Kosmos aus Linien und Flächen. Dabei verzichtet sie ganz auf Farbe und konzentriert sich fast ausschließlich auf Graphit.

Wer nun denkt, in dieser Beschränkung auf ein Medium und eine Farbe läge etwas Eintöniges, sieht sich bald getäuscht: mit spielerischer Experimentierlust erkundet Christine Geiszler alles aus, was das meist weiße Blattformat an Kompositionsmöglichkeiten hergibt.

In beeindruckenden Serien begegnen uns spinnwebartige Strukturen, die das ganze Blatt einnehmen, wie auch skulptural anmutende Formen, die von leeren, weißen Flächen umrahmt werden. Die abstrakten Formen erinnern selten an konkrete Gegenstände: sie sind, was sie sind: Erkundungen von Raum und Fläche, von Spannungsverhältnissen zwischen Masse und Leere.

Statt aber, wie ein Bildhauer, nach der einen Form zu suchen, fällt Christine Geiszler auf, wie viele Variationsmöglichkeiten es gibt. Sie öffnet die Tür zu einer neuen Serie und wir sind – mit ihr – überrascht, wie viele Möglichkeiten erscheinen. Es hat den Anschein, dass es Jahre dauern würde, wenn man alle Varianten ausschöpfen möchte – wohlgemerkt nur in einem einzelnen Kapitel ihrer Arbeit.

Dabei braucht sie nicht immer nur die Ruhe des Arbeitsraums: auf Fahrten zwischen ihren Ateliers in Berlin und Cottbus hat sie in ihrer Serie der „Vibrations“ auch das Ruckeln des Zuges in ihre Versuchsanordnung mit einbezogen: es entstanden formatgleiche Bilder mit unruhigem Linienrhythmus. So passt sich Christine Geiszler stets den äußeren Bedingungen an und ist flexibel, was die Auswahl der Formate angeht: im Atelier entstehen türblattgroße Zeichnungen, unterwegs eben handliche, kleinformatige Arbeiten.

Gleich ist allem Schaffen ihre erfrischende Experimentierlust, gepaart mit Disziplin und Ausdauer: so entstehen vielfältige Serien, bei denen wir uns verblüfft fragen, wozu es eigentlich Farbe braucht.

Vita

Seit 2020 Cottbus, Wohn- und Arbeitsort („Rückkehrerin“)
Seit 2019 Cottbus, Atelier im Atelierhaus Großenhainer Bahnhof
2015-2020 Berlin, Masterstudium an der Akademie für Malerei Berlin, Ernennung zur
Meisterschülerin von Andreas Amrhein
2003-2019 Berlin, Wohn- und Arbeitsort
1996 Cottbus, Abitur am Niedersorbischen Gymnasium
1977 in Cottbus geboren

Initiativen & Mitwirkung

2021-2020 Cottbus, Initiatorin des Lausitzer Zeichnungskabinetts in Kooperation mit der Kunsthalle Lausitz
2020 Görlitz, Mitglied der Jury für das Kunstfestival Zukunftsvisionen
2019-2021 Lausitz, Mitwirkung an der Erstellung einer Kulturstrategie

2018-2022 Instagram: Redaktion eines Kunstmagazins @kunstgebiet.lausitz

Veröffentlichungen

2021 Prolog Heft für Zeichnung und Text, Berlin
2020 Edition Signifikante Signaturen, Band 77, Sandstein Verlag: 978-3-95498-583-8

Stipendien

2021 Stipendium ARBEITSPAKETE des Landes Brandenburg
2020 Residency / Arbeitsaufenthalt im Kunstverein Frankfurt/Oder
2020 Katalogförderung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, Edition: Signifikante Signaturen
2020 Kunstpreis Brandenburg, Auswahl für die Hauptrunde

Vorträge & Talks

12.09.2021 Lübbenau, Liuba Gallery, Art-Talk »WHATS NEXT«
08.08.2021 Werenzhain, Open Art Lausitz, Netzwerk-Talk »Kultur in ländlichen Räumen«
25.09.2020 Berlin, Akademie für Malerei, öffentlicher Vortrag zum Masterabschluss
21.09.2018 Berlin, Akademie für Malerei, öffentlicher Vortrag »GREYISTAN«
10.01.2017 Goyatz, Kleine Galerie, Künstlerinnengespräch: »Arktisches Arkadien«
07.10.2016 Berlin, Akademie für Malerei, öffentlicher Vortrag »Selected Works«

Ehrenamt & Charity

2020 Cottbus, Teilnahme an der Benefiz-Kunstauktion für die Cottbuser Clubszene
2018 Cottbus, Charity Aktion „Kunst hilft“ Spende für die Kinderklinik
2018-2022 Instagram: Redaktion eines Kunstmagazins @kunstgebiet.lausitz

Mitgliedschaften

Seit 2020 Kreative Lausitz e.V.
Seit 2019 Netzwerk Kulturstrategie Lausitz / Kulturplan Lausitz
Seit 2018 Förderverein Kunstmuseum Dieselkraftwerk BLMK, Cottbus
Seit 2017 Gründungsmitglied der Künstlerinnengruppe Berlin-Brandenburg

Ausstellungen (Auswahl)

2022
E Cottbus, Galerie Brandenburg, »SchönGrau«
G Hoppegarten, Galerie Hoppegarten, »NACHLESE 9«

2021
G Werenzhain, Open Art Lausitz, Atelierhof, »ZWISCHENSTAND«
G Cottbus, Galerie Brandenburg, »Lausitzer Künstler*innen #miteinander«

2020
G Fankfurt/Oder Galerie B, »ARBEITSDIALOGE« mit Inna Perkas
G Cottbus, Galerie Brandenburg/Fünf, Filmfestival Cottbus, »lubinalove«
E Berlin, Akademie für Malerei, Öffentliche Präsentation/Masterabschluss
G Neuhardenberg, Schloss, »Brandenburgischer Kunstpreis 2020« #Nominierte
E Cottbus, Büro mayerwittig, Kunstprojekt »FORM@Freie Wand 20«
G Berlin, Akademie für Malerei, »klein aber fein«

2019
G Cottbus, Galerie Brandenburg, »Kleine Formate«
G Cottbus, Galerie Brandenburg, »ARTEFAKTE« Künstler d. Großenhainer Bhfs.
G Berlin, Artist Homes, »überirdisch | unterirdisch« K11-Künstlerinnen
E Cottbus, Großenhainer Bhf., Nacht der kreativen Köpfe
G Cottbus, Info-Komm.-Medien-Zentrum, »Zwischen uns« KGBB-Künstlerinnen
G Brück, Alte Brücker Post, »Kunst-Natur-Umwelt«

2018
G Berlin, Galerie Mainoeuvre, »Begegnung« KGBB-Künstlerinnen
G Berlin, Schöneberger Art, Studio Show mit Toni Frei
G Berlin, Südwestpassage e.V., Studio Show mit Chi-H. Choe
E Berlin, Akademie für Malerei, »Christine Geiszler – GREYISTAN«
G Berlin, Galerie im Körnerpark, »Anonyme Zeichner«
E Cottbus, Info-Komm.-Medien-Zentrum, »Christine Geiszler – Landgang«
G Berlin, Akademie für Malerei, »Überfluss – Alles fließt«

2017
E Berlin, Südwestpassage e.V., »Christine Geiszler – Arktisches Arkadien II«
G Berlin, Akademie für Malerei, »Land in Sicht«
E Cottbus, Galerie Ebert, »Christine Geiszler – Arktisches Arkadien«
G Berlin, Akademie für Malerei, »Heiß – Arbeiten mit Wachs… «
E Goyatz, Kleine Galerie, »Christine Geiszler – Arktisches Arkadien«

2016
E Berlin, Südwestpassage e.V., »Christine Geiszler – Selected Works«
E Berlin, Akademie für Malerei, »Christine Geiszler – Selected Works«
G Berlin, Akademie für Malerei, »Studentenausstellung«

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mail@christinegeiszler.com